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Als das Radio Basel auf die Strasse ging

Von Daniel M. Cassaday

 

 

 

Wir gehen 100 Jahre zurück in die Pionierzeit von Radio Basel. Im Mittelpunkt steht der markante Reportagewagen, mit dem das Radio seine Mikrofone aus dem Studio hinaus zu den Menschen brachte. Die Radio-Genossenschaft Basel war 1926 gegründet worden. 1931 schloss sie sich mit den anderen regionalen Radiogesellschaften zur Schweizerischen Rundspruchgesellschaft (SRG) zusammen. Seit 1932 sendete sie aus dem zum Sendehaus umgebauten Parkhaus St. Margarethen. Später sendete man dann vom Bruderholz.

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Ehemaliges Radio Basel Studio in der Villa im St. Margarethenpark 1932-1940

 

 

 

 

Mit dem Reportagewagen hinaus zu den Menschen

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Der Reportagewagen bedeutete einen wichtigen technischen Schritt. Im Geschäftsbericht über 1936 kündigte Radio Basel an, einen solchen Wagen «demnächst in Dienst» zu stellen. Er sollte die bereits zahlreichen Reportagen und Hörberichte wesentlich erleichtern. Der Wagen war ein Jubiläumsgeschenk der Hörerschaft zum zehnjährigen Bestehen der Radio-Genossenschaft; der Radio-Club Basel beschaffte die Mittel mit einer Lotterie. 1937 stand das neue Fahrzeug für den Aussendienst zur Verfügung.

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Zwei der hier gezeigten Aufnahmen von 1938 dokumentieren diesen Wagen besonders schön. Auf der Seitenansicht ist die grosse Aufschrift «RADIO BASEL – REPORTAGE-WAGEN» zu erkennen. Auf dem Dach befindet sich eine Plattform mit Geländer. Eine weitere Aufnahme zeigt das Fahrzeug während eines Einsatzes mit geöffneter Tür und Mitarbeitern bei der Arbeit.

Der Reportagewagen erleichterte Aufnahmen und Übertragungen ausserhalb des Studios erheblich. Ereignisse, Feste und das Arbeitsleben ausserhalb des Studios konnten damit in Reportagen und Hörbildern festgehalten werden. Im Geschäftsbericht von 1936 war ausdrücklich davon die Rede, mit dem Wagen «aufs Land hinaus» zu fahren und das Leben der Bevölkerung bei der Arbeit und bei Festen aufzunehmen.

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Die 1931 gegründete Schweizerische Rundspruchgesellschaft vereinigte die regionalen Radiogesellschaften unter einem gemeinsamen Dach. Sie erhielt eine einzige Konzession für den schweizerischen Rundspruch. Radio Basel wurde damit Teil der schweizerischen Rundfunkorganisation, behielt aber seine regionale Verankerung.

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Reportagewagen Radio Basel bei der Margarethenkirche 1938

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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                                                                     Reportagewagen Radio Basel 1938          

 

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Aus Fern • Hören, Das Radio-Fotobuch der Deutschschweiz, Basel CMV 2000

 

 

 

Meine Grossmutter beim Radio Basel

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Das folgende Foto ist für mich das persönlichste. Neben dem Reportagewagen steht meine noch ledige Grossmutter Gertrud Sturm selig, Jahrgang 1913, zusammen mit zwei Arbeitskollegen von Radio Basel. Sie erzählte mir selbst von ihrer Arbeit beim Radio.

Auffällig ist ihre weite Hose. Während die beiden Männer Anzug und Krawatte tragen, wirkt sie für die damalige Zeit ausgesprochen modern. Frauen trugen Hosen zwar bereits beim Sport, in der Freizeit und bei bestimmten Arbeiten; als selbstverständliche Kleidung im öffentlichen Alltag hatten sie sich Ende der 1930er-Jahre jedoch noch nicht durchgesetzt.

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Mit einem Kollegen beim Radio verband sie eine traurige Erinnerung. Er war homosexuell und wurde von ihr als freundlicher und bei den wenigen weiblichen Kollegen beliebter Mensch beschrieben. Nach ihrer Erzählung litt er unter gesellschaftlichem Druck und nahm sich später das Leben. Sein Tod hatte meine Grossmutter sehr getroffen. Homosexuelle Menschen waren damals trotz der bereits 1919 erfolgten grundsätzlichen Entkriminalisierung in Basel-Stadt leider weiterhin gesellschaftlicher Stigmatisierung ausgesetzt.

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Meine Grossmutter mit zwei Kollegen bei dem Reportagewagen vom Radio Basel um 1938

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